Gasetagenheizung ausgefallen: Berliner MFH von Effizienzklasse H auf D saniert – 51.700 EUR Förderung gesichert

3 gasetagenheizungen in einem Mehrfamilienhaus energy building

In diesem Praxisbeispiel zeigen wir, wie Energy Building für eine Berliner Eigentümergemeinschaft (MFH, Baujahr 1905, 6 Wohneinheiten, 365 m2 Wohnfläche) den Ausfall von zwei Gasetagenheizungen in eine strategische Heizungssanierung umgewandelt hat. Statt eines kurzfristigen Reparaturtauschs wurde ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) erstellt, eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 durchgeführt und eine zentrale Luft-Wasser-Wärmepumpe als Gesamtlösung realisiert. Ergebnis: Der Endenergiebedarf sank von 261 kWh/m2a auf 113 kWh/m2a (57 %), die Energieeffizienzklasse verbesserte sich von H auf D. Die BEG-Förderung über das BAFA belief sich auf 51.700 EUR bei einem Fördersatz von 55 % – bei Gesamtinvestitionen von 94.000 EUR. Die jährlichen Heizkosten sanken von ca. 11.400 EUR auf ca. 7.600 EUR.

Projektsteckbrief

Gebäudetyp Mehrfamilienhaus (MFH), 6 Wohneinheiten
Baujahr 1905 (Gründerzeit)
Wohnfläche gesamt 365 m²
Lage Berlin
Bisheriges Heizsystem 6 dezentrale Gasetagenheizungen (Baujahr 1990–1998), zwei ausgefallen
Durchgeführte Maßnahme Heizungssanierung: zentrale Luft-Wasser-Wärmepumpe (25 kW, JAZ 4,2)
Leistungen Energy Building iSFP · Heizlastberechnung · BEG-Förderantrag (BAFA) · KfW-Baubegleitung
Förderprogramm BEG Einzelmaßnahme Heizung (BAFA), 55 % Fördersatz
Förderbetrag 51.700 €
Energieklasse vorher / nachher H  →  D
Projektzeitraum 2025

Herausforderung 

In einem Gründerzeithaus von 1905 in Berlin wurden alle sechs Wohnungen über separate Gasetagenheizungen beheizt. Zwei dieser Geräte – Baujahre zwischen 1990 und 1998 – fielen innerhalb kurzer Zeit aus. Für die betroffenen Eigentümer bedeutete das akuten Handlungsdruck – für die Eigentümergemeinschaft (GdWE) stellte sich erstmals die grundsätzliche Frage nach der Zukunftsfähigkeit des gesamten Heizsystems.

Die energetische Ausgangslage

Das Gebäude befand sich mit einem Endenergiebedarf von 261 kWh/m2a in der Energieeffizienzklasse H – der schlechtesten möglichen Stufe. Typisch für unsanierte Gründerzeithäuser: keine zentrale Regelung, sechs dezentrale Anlagen mit unterschiedlichen Wartungsständen, steigendes Ausfallrisiko. 

Die Interessenlage der Eigentümergemeinschaft

Die Eigentümer:innen standen vor mehreren, teils widersprüchlichen Anforderungen:

  • Soforthilfe für die zwei Wohnungen ohne funktionsfähige Heizung

  • Kostenkontrolle bei unterschiedlicher Investitionsbereitschaft innerhalb der GdWE

  • Unsicherheit über das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und das Gebäude-Modernisierungsgesetz (GModG)

  • Offene Frage: Welche Förderprogramme sind bei einer zentralen Lösung kombinierbar?

Ohne strukturierte Entscheidungsgrundlage drohte eine kurzfristige Reparatur, die das Problem nur verschöbe – und spätere Förderansprüche zunichte machen würde.

Unsere Rolle

Energy Building wurde beauftragt, die Situation nicht nur technisch, sondern strategisch zu bewerten. Ziel war es, aus einer akuten Störung eine tragfähige Gesamtlösung für die GdWE zu entwickeln. Wir wurden mit einer Energieberatung vor Ort in Berlin und der Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) beauftragt. Ergänzend übernahmen wir die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, den BEG-Förderantrag beim BAFA sowie die KfW-Baubegleitung für die Qualitätssicherung der Umsetzung.

Analyse und Bewertung

Technische Bewertung vor Ort

Unsere Analyse und Energieberatung vor Ort in Berlin zeigte:

  • Sechs Gasetagenheizungen mit Baujahren zwischen 1990 und 1998, teils unterschiedlicher Effizienz

  • Installierte Gesamtleistung: ca. 35 kW – deutlich über der tatsächlichen Heizlast des Gebäudes

  • Keine zentrale Regelung, hoher Wartungsaufwand, absehbare Folgefehler

  • Endenergiebedarf 261 kWh/m2a (Klasse H) – typisch für unsanierte Gründerzeitgebäude

Fördertechnische Bewertung

Die naheliegende Lösung – der einfache Austausch der defekten Geräte – hätte langfristig bedeutet:

  • Kein Anspruch auf BEG EM Heizung (Austausch Gasheizung durch Gasheizung nicht förderfähig)

  • Weiterer Betrieb fossiler Einzelanlagen, absehbare GEG-Problematik 

Im gemeinsamen Gespräch gingen wir auf die Neuerungen des Gebäude-Modernisierungsgesetzes (GModG) ein. Die Erstellung eines iSFP eröffnete den Weg zu einem Fördersatz von 55 % im Rahmen der BEG EM über das BAFA.

3 gasetagenheizungen in einem Mehrfamilienhaus energy building
In einem Mehrfamilienhaus hat jede Wohnung eine eigene Heizung. Zwei fallen aus. Einfach nur austauschen oder nutzen Sie den Moment und schaffen ein zentrales und effizientes Heizsystem?
Sie haben Fragen zur Effizienz Ihres Heizsystem?
Energieberatung anfragen

Wie wir konkret unterstützt haben

Schritt 1 – Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)

Zunächst erstellten wir einen iSFP für das gesamte Gebäude. Der iSFP dokumentiert den energetischen Ist-Zustand, legt eine priorisierte Maßnahmenreihenfolge fest und diente als Entscheidungsgrundlage für die Eigentümergemeinschaft - auch für zukünftige Maßnahmen.

Schritt 2 – Heizlastberechnung nach DIN EN 12831

Auf Basis der Gebäudedaten (Baujahr 1905, 365 m2 Wohnflaeche, Berliner Klimazone) ermittelten wir die tatsächliche Heizlast. Das Ergebnis bildete die Grundlage für die korrekte Dimensionierung der zentralen Wärmepumpe auf 25 kW. Eine Überdimensionierung hätte sowohl die Jahresarbeitszahl (JAZ) als auch den Förderstatus gefährdet.

Schritt 3 – BEG-Förderantrag (BAFA) und KfW-Baubegleitung

Wir stellten den Förderantrag im Rahmen der BEG EM Heizung beim BAFA – zwingend vor Auftragserteilung an das Fachunternehmen. Diese Reihenfolge ist entscheidend: Wer zuerst bestellt, verliert den Förderanspruch vollständig. Parallel übernahmen wir die KfW-Baubegleitung für die Qualitätssicherung.

Schritt 4 – Zentrale Luft-Wasser-Wärmepumpe als Gesamtlösung

Anstelle von sechs Einzelreparaturen empfahlen und begleiteten wir die Installation einer zentralen Luft-Wasser-Waermepumpe (25 kW Heizleistung, Jahresarbeitszahl 4,2). Die neue Anlage versorgt alle sechs Wohneinheiten zentral und ersetzt das dezentrale System vollständig.

Ergebnis für die Eigentümer:innen

Die akute Versorgungslücke konnte uebergangsweise abgesichert werden. Gleichzeitig entstand eine einheitliche und zukunftsfaehige Heizlösung fuer das gesamte Gebäude. Die Eigentümegemeinschaft gewann Planungssicherheit, reduzierte ihre Betriebsrisiken – und profitiert nun von messbaren Einsparungen:

Energetische Kennwerte: Vorher / Nachher

Kennwert Vorher Nachher Veränderung
Energieeffizienzklasse H D ↑ 4 Klassen
Endenergiebedarf (kWh/m²a) 261 kWh/m²a 113 kWh/m²a – 57 %
Heizsystem 6 × Gasetagenheizung
(35 kW gesamt)
Zentrale Luft-Wasser-Wärmepumpe
(25 kW, JAZ 4,2)
Vollersatz
Jahresarbeitszahl (JAZ) 4,2 Neu
CO₂-Ausstoß (kg/m²a) nicht erfasst 27 kg/m²a deutlich reduziert
Heizkosten / Jahr ca. 11.400 € ca. 7.600 € – 3.800 €/Jahr

Förderung im Überblick

Förderprogramm Fördersatz Förderbetrag Besonderheit
BEG EM Heizung – BAFA 55 % 51.700 € Grundförderung + 5% Einsatz natürliches Kältemittel + Klimabonus
Gesamte Investitionskosten 94.000 € Inkl. Handwerker, brutto
Gesamte Förderung 55 % 51.700 € BEG EM BAFA-Zuschuss
Effektive Eigenkosten 45 % 42.300 € Nach Abzug aller Zuschüsse

Was ohne uns passiert wäre

Ohne unsere Bewertung hätte die GdWE vermutlich einfach die beiden defekten Gasetagenheizungen ersetzt. Damit wäre das bestehende System aus sechs Einzelheizungen unverändert geblieben. Die Folgen:

  • Kein BEG-Förderanspruch – Austausch Gasheizung durch Gasheizung ist im Rahmen BEG EM Heizung nicht förderfähig

  • Weiterer Betrieb von sechs dezentralen Anlagen mit steigenden Wartungskosten

  • Technische Fragmentierung: Weitere Ausfälle der Baujahre 1990-1998 absehbar

  • Keine Vorbereitung auf GEG-Anforderungen und künftige gesetzliche Pflichten

  • Verzögerter Einstieg in eine zukunftsfähige Heizlösung zu möglicherweise höheren Kosten 

Der finanzielle Unterschied: 0 EUR Förderung statt 51.700 EUR – bei einem Gebäude dieser Größe eine Differenz, die die gesamte Wirtschaftlichkeit der Massnahme bestimmt. 

Fazit

Dieses Berliner Praxisbeispiel zeigt, was strategische Energieberatung im Unterschied zu technischer Soforthilfe leistet: Der Mehrwert entsteht nicht beim Austausch des defekten Geräts – sondern bei der Frage, welche Entscheidung langfristig die richtige ist und wie Fördermittel so eingesetzt werden, dass sie die Wirtschaftlichkeit grundlegend verändern. 

Eine Differenz von 51.700 EUR Förderung ist kein Detailpunkt. Sie ist der Unterschied zwischen einer wirtschaftlich belastenden und einer wirtschaftlich sinnvollen Investition für die Eigentümergemeinschaft.

Ähnliche Beispiele aus unserem Beratungsalltag

Ihre GdWE möchte sich auch beraten lassen?
Vor-Ort-Beratung anfragen

Häufige Fragen zu diesem Projekttyp

Der Austausch durch eine zentrale Luft-Wasser-Wärmepumpe wird im Rahmen der BEG EM Heizung durch das BAFA gefördert. Grundfördersatz: 30 %. Mit Klimabonus (funktionsfähige Heizung muss älter als 20 Jahre sein) +20 %. Einsatz natürliches Kältemittel: +5 %. Im Berliner Praxisbeispiel wurden 55 % erreicht – das entspricht 51.700 EUR bei 94.000 EUR Investition.

Ja, das ist eine der häufigsten Fehlerquellen. Der Antrag beim BAFA muss zwingend Beginn der Baumaßnahmen gestellt werden. Wer zuerst bestellt, verliert den gesamten Förderanspruch. Ein vorläufiger Beratungsvertrag oder eine unverbindliche Kostenabschätzung ist dagegen unschädlich.

Ja, besonders wenn mehrere dezentrale Anlagen gleichzeitig erneuerungsbedürftig sind. Die wirtschaftliche Schwelle liegt in der Regel bei 4 oder mehr Wohneinheiten. Im Berliner Praxisbeispiel: Heizkosteneinsparung ca. 3.800 EUR/Jahr (von 11.400 EUR auf 7.600 EUR) bei einer JAZ von 4,2.

Der iSFP-Bonus ist ein zusätzlicher Fördersatz von 5 % bei Maßnahmen an der Gebäudehülle, den das BAFA gewährt, wenn bei Antragstellung ein gültiger individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) vorliegt UND die beantragte Massnahme darin enthalten ist. Der iSFP muss von einer zugelassenen Energieberatung erstellt worden sein und darf nicht abgelaufen sein. Energy Building erstellt iSFPs bundesweit.

Ja. Eine GdWE ist antragsberechtigt für die BEG EM und die BEG WG (Wohngebäude). Der Antrag wird von der Hausverwaltung oder einer bevollmächtigten Verwaltung gestellt. Für die BEG WG ist ein Energieeffizienz-Experte als Fachplanung und Baubegleitung Pflicht – eine der Kernleistungen von Energy Building.

Kontaktformular Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

Ich habe die Datenschutzrichtlinien gelesen und erkläre mich damit einverstanden.

Vielen Dank für Ihre Anfrage
© 2026 Energy Building Goldbeck & Giesing GmbH