In diesem Praxisbeispiel zeigen wir, wie Energy Building eine Energieberatung in Lüneburg für eine Doppelhaushälfte (Niedersachsen, Baujahr 1983, 156 m² Wohnfläche) mit Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) durchgeführt hat. Der Ist-Zustand: Energieeffizienzklasse D, Endenergiebedarf 113,5 kWh/m²a, Primärenergiebedarf 126,3 kWh/m²a und jährliche Heizkosten von rund 2.650 EUR. Ausgelöst wurde die Beratung durch den geplanten Umstieg von der bestehenden Gasheizung (Baujahr 2003) auf eine Wärmepumpe – inklusive Prüfung, ob die vorhandenen Heizkörper für niedrige Vorlauftemperaturen ausreichen. Der iSFP identifiziert den Heizungstausch als wichtigste Einzelmaßnahme: Bei einem Fördersatz von 55 % ergibt sich ein Förderpotenzial von 16.500 EUR. Werden zusätzlich Dach, Außenwand, Fenster und Lüftung wie empfohlen saniert, sinkt der Endenergiebedarf auf 62,8 kWh/m²a (Effizienzklasse B) bei einer geschätzten Gesamtinvestition von rund 42.000 EUR.
Projektsteckbrief
| Gebäudetyp | Doppelhaushälfte (1 Wohneinheit) |
| Baujahr | 1983 |
| Wohnfläche | 156 m² |
| Lage | Lüneburg, Niedersachsen |
| Bisherige Heizung | Gasheizung (Baujahr 2003) + Solarthermie |
| Auslöser | Geplanter Umstieg auf Wärmepumpe; Prüfung Heizkörper/Vorlauftemperatur |
| Leistungen Energy Building | Energieberatung vor Ort + iSFP · Heizlastberechnung · BEG-Antrag Heizung |
| Förderprogramm Energieberatung | Bundesförderung für effiziente Gebäude – Energieberatung (BAFA) |
| Förderbetrag Energieberatung | 650 € |
| Energieeffizienzklasse (Ist) | D |
| Projektzeitraum | Q1 2026 |
Energieberatung und individueller Sanierungsfahrplan für eine Doppelhaushälfte in Lüneburg (Baujahr 1983)
Eine Doppelhaushälfte in Lüneburg aus dem Jahr 1983 wird bislang über eine Gasheizung (Baujahr 2003) beheizt, ergänzt durch eine bestehende Solarthermie-Anlage. Die Eigentümer:innen planen den Umstieg auf eine Wärmepumpe und beauftragten uns mit einer Energieberatung vor Ort sowie der Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP). Die zentrale Frage: Reicht die vorhandene Heizkörperauslegung für eine effiziente Wärmepumpe aus – und welche Förderung lässt sich für den Umstieg sichern?
Herausforderung
Vor dem geplanten Heizungstausch stand ein zentrales technisches Risiko im Raum: Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen. Ob die vorhandenen Heizkörper der Doppelhaushälfte dafür ausreichend dimensioniert sind, war zu Beratungsbeginn unklar. Gleichzeitig wollten die Eigentümer:innen die für den Heizungstausch verfügbare Förderung nicht durch einen unvollständigen oder falsch beantragten Fördernachweis gefährden.
Die energetische Ausgangslage
Das Gebäude erreichte im Ist-Zustand die Energieeffizienzklasse D mit einem Endenergiebedarf von 113,5 kWh/m²a und einem Primärenergiebedarf von 126,3 kWh/m²a. Der CO2-Ausstoß lag bei rund 2,1 Tonnen pro Jahr, die Heizkosten bei ca. 2.650 EUR/Jahr. Die bestehende Gasheizung (Baujahr 2003) läuft technisch noch, entspricht aber nicht mehr dem angestrebten regenerativen Betrieb – ergänzend wird bereits eine Solarthermie-Anlage genutzt.
Die strategische Frage
Die Eigentümer:innen standen vor der Entscheidung: die Wärmepumpe direkt beantragen und einbauen lassen – oder zunächst systematisch prüfen, ob Heizlast und Heizkörper dafür überhaupt geeignet sind? Ohne fundierte Heizlastberechnung hätten mögliche Effizienzverluste oder späterer Umbaubedarf entstehen können. Zugleich sollte die Gelegenheit genutzt werden, das volle Förderpotenzial für Dach, Außenwand, Fenster und Lüftung im Rahmen eines vollständigen iSFP zu erfassen – statt die Heizung isoliert zu betrachten.
Unsere Rolle
Energy Building wurde beauftragt, die Doppelhaushälfte im Rahmen einer Energieberatung vor Ort vollständig energetisch zu erfassen und einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) zu erstellen. Zusätzlich übernahmen wir die Heizlastberechnung zur Auslegung der geplanten Wärmepumpe sowie die Antragstellung für die BEG-Förderung der neuen Heizung.
Analyse und Bewertung
Energetische Bestandsaufnahme
Im Rahmen der Energieberatung vor Ort erfassten wir den energetischen Ist-Zustand der Doppelhaushälfte: Energieeffizienzklasse D, Endenergiebedarf 113,5 kWh/m²a, Primärenergiebedarf 126,3 kWh/m²a und ein CO2-Ausstoß von 2,1 Tonnen pro Jahr. Die jährlichen Heizkosten liegen derzeit bei rund 2.650 EUR. Auf dieser Grundlage haben wir den individuellen Sanierungsfahrplan erstellt, der die energetischen Schwachstellen und das Maßnahmenpotenzial systematisch abbildet.
Fördertechnische Bewertung
Die Auswertung ergab: Der Heizungstausch auf eine Wärmepumpe hat mit einem Fördersatz von 55 % das mit Abstand größte kurzfristige Förderpotenzial – rechnerisch 16.500 EUR. Zusätzlich empfiehlt der iSFP eine Dachdämmung (BEG EM Dach, 20 %), eine Außenwanddämmung (BEG EM Außenwand, 20 %), einen Fenstertausch auf Dreifachverglasung (BEG EM Fenster, 20 %) sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (BEG EM Lüftung, 15 %). Werden alle Maßnahmen umgesetzt, sinkt der Endenergiebedarf rechnerisch auf 62,8 kWh/m²a – die Doppelhaushälfte würde damit die Effizienzklasse B erreichen.
Wie wir konkret unterstützt haben
Schritt 1 – Energieberatung vor Ort und iSFP-Erstellung
Zunächst führten wir die BAFA-geförderte Energieberatung vor Ort durch und erstellten den individuellen Sanierungsfahrplan. Die Beratung selbst wurde mit 650 EUR über die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Energieberatung (BAFA) bezuschusst.
Schritt 2 – Heizlastberechnung und Vorlauftemperatur-Prüfung
Um zu klären, ob die vorhandenen Heizkörper für eine Wärmepumpe geeignet sind, führten wir eine Heizlastberechnung durch und prüften gezielt, wie sich die Vorlauftemperatur senken lässt – eine zwingende Voraussetzung für einen effizienten Wärmepumpenbetrieb.
Schritt 3 – Maßnahmenpriorisierung im iSFP
Im iSFP wurde der Heizungstausch als Maßnahme mit oberster Priorität eingestuft. Die Reihenfolge und Kombination der übrigen Maßnahmen (Dach, Außenwand, Fenster, Lüftung) wird im Zuge der weiteren Beratung festgelegt.
Schritt 4 – BEG-Förderantrag Heizung
Für den geplanten Heizungstausch übernahmen wir die Antragstellung der BEG-Förderung für die neue Heizungsanlage – Grundlage für die Auszahlung des 55-prozentigen Zuschusses.
iSFP-Ergebnisse: Ist-Zustand und Förderpotenzial
Der iSFP zeigt für die Doppelhaushälfte in Lüneburg ein klares Bild: Der aktuelle energetische Zustand (Klasse D) lässt sich durch den empfohlenen Maßnahmenmix deutlich verbessern. Die folgenden Werte sind noch nicht realisiert – sie zeigen das Potenzial, das der iSFP identifiziert hat, nicht einen abgeschlossenen Sanierungszustand.
Energetische Kennwerte: Ist-Zustand und iSFP-Ziel (Potenzial)
| Kennwert | Ist-Zustand | Ziel nach iSFP (Potenzial) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Energieeffizienzklasse | D | B | 2 Klassen besser |
| Endenergiebedarf (kWh/m²a) | 113,5 kWh/m²a | 62,8 kWh/m²a | – 44,7 % |
| Primärenergiebedarf (kWh/m²a) | 126,3 kWh/m²a | noch nicht beziffert | offene Angabe |
| CO₂-Ausstoß | 2,1 t/Jahr | noch nicht beziffert | offene Angabe |
| Heizkosten / Jahr | ca. 2.650 € | noch nicht beziffert | offene Angabe |
Hinweis: Die Spalte „Ziel nach iSFP“ zeigt das vom Sanierungsfahrplan berechnete Potenzial – kein realisierter Sanierungszustand. Von den insgesamt rund 42.000 EUR geschätzter Investition für alle empfohlenen Maßnahmen ist bislang ein Förderbetrag von 16.500 EUR für den Heizungstausch konkret beziffert. Für Dach, Außenwand, Fenster und Lüftung gelten ebenfalls Fördersätze von 15 bis 20 Prozent – die genauen Eurobeträge werden nach Vorliegen der Kostenvoranschläge ergänzt.
iSFP-Maßnahmenübersicht und Förderpotenzial
| Empfohlene Maßnahme | Förderprogramm | Fördersatz | Förderbetrag (Potenzial) |
|---|---|---|---|
| Heizungsaustausch (Wärmepumpe) | Heizungsförderung BEG (BAFA) | 55 % | 16.500 € |
| Dachdämmung (Aufsparren) | BEG EM Dach (BAFA) | 20 % | noch zu ermitteln |
| Außenwanddämmung / Kerndämmung | BEG EM Außenwand (BAFA) | 20 % | noch zu ermitteln |
| Fenstertausch (Dreifachverglasung) | BEG EM Fenster (BAFA) | 20 % | noch zu ermitteln |
| Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung | BEG EM Lüftung (BAFA) | 15 % | noch zu ermitteln |
| Gesamt (geschätzt) | Investition alle Maßnahmen | – | 42.000 € |
Priorität laut iSFP: Heizungsaustausch = Position 1. Reihenfolge der übrigen Maßnahmen im Bogen noch nicht spezifiziert.
Was ohne uns passiert wäre
Wärmepumpe ohne Heizlastberechnung eingebaut: Ohne die Prüfung der Heizkörper und Vorlauftemperatur wäre die tatsächliche Effizienz der neuen Wärmepumpe kaum abschätzbar gewesen – im ungünstigsten Fall mit spürbar höheren Betriebskosten.
Fördermittel nur für die Heizung beantragt: Ohne den vollständigen iSFP wären die zusätzlichen Fördersätze für Dach, Außenwand, Fenster und Lüftung nicht systematisch erfasst worden.
Kein Nachweis für den iSFP-Bonus: Ohne den bestehenden Sanierungsfahrplan könnte bei künftigen Einzelmaßnahmen der zusätzliche iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten entfallen.
Reihenfolge der Maßnahmen unklar: Ohne die iSFP-Priorisierung hätten die Eigentümer:innen möglicherweise zuerst in Fenster oder Fassade investiert – statt zuerst die förderstärkste und dringlichste Maßnahme (Heizungstausch) anzugehen.
Der finanzielle Unterschied: mindestens 16.500 EUR nicht abgerufene Förderung für die Wärmepumpe – plus ein ungenutztes Zusatzpotenzial bei Dach, Außenwand, Fenster und Lüftung, dessen genauer Umfang erst mit dem vollständigen iSFP sichtbar wurde.
Fazit zur Energieberatung
Dieses Praxisbeispiel zeigt, dass ein geplanter Heizungstausch selten isoliert betrachtet werden sollte. Erst die Heizlastberechnung stellt sicher, dass die Wärmepumpe tatsächlich effizient arbeitet – und erst der vollständige iSFP macht sichtbar, welches Förderpotenzial über die Heizung hinaus in Dach, Außenwand, Fenster und Lüftung steckt.
Allein für den Heizungstausch sind 16.500 EUR Förderung realistisch, bei einer geschätzten Gesamtinvestition aller empfohlenen Maßnahmen von rund 42.000 EUR. Der iSFP verwandelt damit eine einzelne Heizungsentscheidung in eine strukturierte, förderoptimierte Sanierungsstrategie.
Häufige Fragen zum individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP)
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Die Kosten für einen iSFP variieren je nach Gebäudegröße und -typ, liegen für Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften aber meist im Bereich von 1.000 bis 1.600 EUR. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Energieberatung (BAFA) werden bis zu 50 % der Beratungskosten (gedeckelt durch Maximalbeträge) bezuschusst. In diesem Praxisbeispiel wurden 650 EUR Förderung für die Energieberatung inklusive iSFP-Erstellung gesichert.
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Ein individueller Sanierungsfahrplan ist 10 Jahre gültig. Für die Inanspruchnahme des iSFP-Bonus bei BEG-Einzelmaßnahmen ist entscheidend, dass die jeweilige Maßnahme im iSFP enthalten ist und dieser zum Zeitpunkt der Antragstellung bereits vorliegt.
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Nein, ein iSFP ist für die Heizungsförderung selbst keine zwingende Voraussetzung. Er erhöht aber den Fördersatz über den iSFP-Bonus und liefert die fachliche Grundlage, um Heizlast, Heizkörper und Gebäudehülle im Zusammenhang zu bewerten – wie in diesem Praxisbeispiel bei der Prüfung der Vorlauftemperatur.
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Nein. Der iSFP zeigt eine sinnvolle Reihenfolge und das jeweilige Förderpotenzial, die Umsetzung kann aber über mehrere Jahre gestaffelt erfolgen. In diesem Praxisbeispiel hat der Heizungstausch oberste Priorität, während Dach, Außenwand, Fenster und Lüftung zeitlich nachgelagert umgesetzt werden können.